Deutschland hält am Festnetz fest

Festnetztelefon

Obwohl fast alle Deutschen ein Handy besitzen, bleiben die meisten auch dem Festnetztelefon treu. Nur eine Institution stirbt allmählich aus: das gute alte Telefonhäuschen. Vor einer ungewissen Zukunft stehen auch das Telefonbuch und die Gelben Seiten.

Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes lassen aufhorchen. Oder, wenn es die Redewendung gäbe, ließen sie „aufklingeln“. Im Jahr 2000 besaßen erst 29,8 Prozent aller Deutschen ein Handy – knapp ein Drittel also – und 96,4 Prozent ein Festnetztelefon. Sprich, fast alle. Die Mobiltelefonie hat sich seither enorm ausgebreitet: 2017 besaßen bereits 95,5 Prozent aller Deutschen ein Handy. Und das Festnetzgerät? Ihm halten trotzdem immer noch 90,9 aller Telekommunikationskunden die Treue. Zum Vergleich: In den USA halbierte sich der Prozentsatz der Festnetztelefon-Besitzer von über 90 im Jahr 2004 auf heute unter 45 – laut Datendienst Statista.

Das Handy verdrängt die Telefonzelle

Wesentlich schneller verschwindet dagegen die einstmals gelbe und heute meist magentafarbene Telefonzelle. Laut Bundesnetzagentur gab es im Jahr 2006 noch 110.000 Telefonhäuschen in Deutschland. Inzwischen ist ihre Zahl auf 23.000 gesunken. Sprich, auf rund ein Fünftel. Für die Telekom zählt, dass eine Telefonzelle monatlich mindestens 50 Euro Gewinn abwerfen muss. An größeren Bahnhöfen oder Flughäfen stimmt die Bilanz meistens. An anderen Standorten wie etwa in Wohngebieten benötigt hingegen kaum mehr jemand den „öffentlichen Fernsprecher“ – dank Handy-Verbreitung. Nur nostalgischen Exemplaren wie etwa den roten Telefonhäuschen aus England, die mancherorts die Plätze zieren, lassen die Betreiber die Existenzberechtigung.

Google statt Gelbe Seiten

Wie geht es mit den Klassikern Telefonbuch und Gelbe Seiten weiter? In den Niederlanden wird das gedruckte Telefonbuch gerade abgeschafft. Und Deutschland? Jeder Dritte über 55 Jahre nutzt noch häufig den guten alten Wälzer, wie eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes YouGov 2016 ergab. Von den Gelben Seiten werden immer noch hohe Auflagen produziert. Sie bleiben oft stapelweise vor den Hauseingängen liegen. Heute googeln die meisten oder suchen ihren Dienstleister auf Branchen-Online-Plattformen.

Aber immerhin: Rund ein Fünftel aller Deutschen nutzt nach wie vor kein Internet. Das gedruckte Medium hat also immer noch eine Zielgruppe. Werden die Telefonbücher auch weiterhin in der Nische bestehen können? Wer weiß. Das Fernsehen hat nie die Zeitung verdrängt, wie man einstmals erwartete. Und trotz wachsender Online-Angebote erscheinen immer neue Print-Magazin-Titel.