WTTx 2.0: Per Funk an die Glasfaser

Glasfaser Kabel

Deutschland fehlt es an Datenautobahnen. Der Glasfaser Ausbau lahmt. Doch – was paradox klingt: Eine neue Mobilfunk-Technologie könnte ihn beschleunigen. Sehr optimistische Propheten sprechen sogar davon, dass die Tage des Festnetzes bald gezählt seien. Was steckt dahinter?

WTTx 2.0 heißt die neue Technologie. Die Abkürzung steht für Wireless Fibre To The X, was so viel wie Kabellos Glasfaser zum Haushalt (X) bedeutet. Damit muss nicht jeder Nutzer physisch ans Netz angebunden werden. Denn die sogenannte „letzte Meile“ oder der letzte Meter vom Glasfaserkabel zum Nutzer wird per Funk überbrückt – mit Sendestationen am Kabel und Empfangsgeräten im Haushalt.

Die Lücken per Funk überbrücken

WTTx 2.0 kann verschiedene Funktechniken nutzen. Mit LTE sind Datenübertragungen von 1 Gbit/s oder mehr möglich. Versuche in einem Berliner Mobilfunknetz erzielten bis zu 1,22 Gbit/s. Vorgesehen ist die neue Anschlusstechnologie aber für zukünftige Standards wie 4.5 oder 5G, das als LTE-Nachfolger im Jahr 2020 starten soll. Die WTTx-Systementwickler vom chinesischen Konzern Huawei prognostizieren Datenraten von bis zu 20 Gbit/s.

Mit solchen Geschwindigkeiten werden derzeitige Festnetzanschlüsse sprichwörtlich weit abgehängt. Auch dort, wo bereits Glasfasernetze bestehen, sind viele Haushalte per FTTC plus VDSL angebunden. FTTC steht für Fibre To The Curb und heißt Glasfaser bis zum „Bordstein“. Von dort werden die Signale analog über das Kupfer- oder Koaxialkabel zum Kunden transportiert. Das Limit dieser sogenannten Hybridnetze liegt mit dem Kupferkabel bei ca. 100 Mbit/s und mit dem Koaxial bei max. 400 Mbit/s

Nicht so Leistungsstark wie FTTH-Direktanschlüsse

Allerdings betont selbst der Hersteller Huawei, dass WTTx 2.0 nicht an die Leistungsstärke von Glasfaser-Direktanschlüssen herankommt. FTTH steht für Glasfaser bis in die Wohnung (Fibre To The Home) und ermöglicht bisher unerreichte Übertragungsgeschwindigkeiten. Doch gerade in ländlichen Regionen, in denen der Ausbau der Datenautobahnen bis zu den Nutzern als zu kostspielig gilt, kann das neue System die Lücken schließen.

Wo steht Deutschland derzeit im Netzausbau?

Dies zeigt der aktuelle ICT Development Index 2017 für Informations- und Telekommunikationstechnik. Bestvernetztes Land ist Island, gefolgt von Südkorea und der Schweiz. Deutschland liegt abgeschlagen auf Platz zwölf. „Deutschland als Industrieland" muss nachlegen – und WTTx 2.0 wäre eine Hilfe.