Breitbandanschluss

Breit gleich schnell? Was Vermieter über den Breitbandanschluss wissen sollten.

Heutzutage überbieten sich die Anbieter mit dem Angebot von gesteigerter Bandbreite. Aber was bedeutet dies für mich persönlich – und wie sind die Begriffe Breitband und Bandbreite wirklich zu verstehen.

Der Zusammenhang von Breite und Geschwindigkeit

Die Art und Weise wie Inhalte übermittelt werden, lässt sich bereits optisch unterscheiden – sei es in deren Farbe, Material oder Form. Die tatsächliche Breite spielt dabei nur bedingt eine Rolle. Woher allerdings stammt die Begrifflichkeit von Breitband – und hat die Beschaffenheit des Kabels überhaupt eine Bedeutung für die Geschwindigkeit und Umfang der zu übertragenden Daten?

Das Prinzip aller Konzepte der Datenübertragung besteht darin, möglichst viele Signale in kurzer Geschwindigkeit von einem Absender an einen Empfänger zu übermitteln. Sowohl optische Übertragungsarten (z.B. Glasfaser), als auch Rundfunknetze unterteilen physische Leitungen in verschiedene Frequenzbereiche. Diese Unterteilung in sogenannte Frequenzbereiche erfolgt dabei nicht willkürlich, sondern wird von nationalen oder internationalen Gremien reguliert. Zum Beispiel werden diese Frequenzbänder auch zur Übertragung von Signalen der zivilen (z.B. Polizeifunk) oder militärischen Nutzung vorbehalten.

Die physische Breite des Übertragungsmediums hat keinen unmittelbaren Einfluss auf die Geschwindigkeit. Einfluss hat jedoch welcher Bereich, der Frequenzbereich, des Mediums für welche Dienste genutzt werden darf und kann.

Zusammenhang zwischen Frequenzband und Signalübertragung

Die zu übertragenden Inhalte (z.B. Video, Bild oder Sprache) werden dabei zunächst in digitale Signale gewandelt. Diese Wandlung wird im Fachjargon auch „Modulation“ genannt. Die Übertragung der digitalen Signale für eine bestimmte Inhaltskategorie erfolgt in unterschiedlichen Frequenzbereichen eines Übertragungsmediums. Eine effiziente „Modulation“ ermöglicht die Übertragung von vielen Daten in kurzer Zeit. Darüber hinaus gilt:  Je größer das sogenannte Frequenzband, desto mehr Informationen können übermittelt werden. Somit stimmt hier die Aussage, je „breiter“ dieser Bereich desto größer die Übertragungsmöglichkeiten.

Je größer die Bandbreite, desto mehr Informationen können also in einer Zeiteinheit übertragen werden. Die Bandbreite wird meist in der Einheit Hertz (Hz), beziehungsweise kHz oder MHz angegeben. Wurden in Zeiten von ISDN nur Frequenzbereiche bis zu 120kHz verwendet, so sind innerhalb moderner Kabelnetze bis zu 862 MHz möglich. Außerdem besteht die Möglichkeit für bestimmte Bereiche Datenmengen zu reservieren.

Das Frequenzband als Autobahn für Daten: je breiter desto schneller

Internetanbieter haben somit die Möglichkeiten zu steuern, welchen Bereich aus dem Frequenzbereich sie für Internetverkehr zur Verfügung stellen. Da über deutsche Kabelnetze auch noch analoge TV-Signale verbreitet werden, müssen auch dafür Frequenzbereiche freigehalten werden.

Beispielrechnung für Bandbreitenbedarf eines Haushaltes:

Fernsehempfang (2 HD Sender) = ca. 30 Mbit/s
Komfortables Surfen = Mindestens 20 Mbit/s
=> durchschnittlicher Bedarf   mehr als 50 Mbit/s

Anbieter, welche selbst über keine oder wenige Telekommunikationsnetze verfügen (z.B. 1und1, freenet) mieten sich entsprechende Frequenzbereiche von Telekommunikationsanbietern an. Die (Frequenz) Bandbreite definiert den möglichen, technischen Rahmen, um Daten schnell und effizient zu übermitteln.

Reicht die Bandbreite in meinem Haushalt?

Um zu verstehen was als Anwender „schnell“  bedeutet, gilt es die Übertragungsgeschwindigkeit zu verstehen. Hierbei wird unterschieden in Daten die an mich gesendet werden und Daten die ich selbst versende:

  • Downstream: z.B. Film über einen Streaming Dienst anzuschauen
  • Upstream: z.B. Bilder hochladen bei Cloud Diensten wie picasa oder anderen Anbietern

Die jeweils vorgesehenen Frequenzbereiche, somit auch verfügbaren Geschwindigkeiten unterscheiden sich teils erheblich – je nach Anbieter oder auch verwendeter Übertragungsart. Leider wird dies in der kommerziellen Bewerbung von Breitband Internet gerne verschwiegen – hier haben aber die Verbraucherschützer der EU zunehmend ein wachsames Auge darauf.

Die Übertragungsgeschwindigkeit und die Datenrate sind die gleichen Messgrößen. Im Zusammenhang mit digitalen Signalen spricht man auch von Bandbreite, also die zur Verfügung stehende Kapazität pro Übertragungsschritt. Meist in MBit/s oder GBit/s angegeben.

Im durchschnittlichen deutschen Haushalt ist es mittlerweile üblich zwei Fernseher zu haben, die in HD-fähig sind. Darüber hinaus werden mindestens ein oder zwei Geräte (PC, Tablet oder Smartphone) mit dem Internet verbunden. Der Downstream zum Empfang eines HD Senders liegt durchschnittlich bei 12-15 MBit/s– bequemes Surfen erfolgt mit mehr als 20 MBit/s. Somit ergibt sich ein Bandbreitenbedarf in einem solchen Haushalt von bereits mehr als 50 Mbit pro Sekunde. Nur Anbieter die VDSL bedienen und Kabelnetzbetreiber erreichen diese Bereiche.

Angebot anfordern

  Typ Bandbreite Datenübertragungsrate

DSL

Digital

Subscriber

Line

Analog 300 Hz – 3,4 kHz bis ca 56 kBit/s
ISDN 0 Hz – 120 kHz

2 x 64 kBit/s Nutzkanal +

16kBit Steuerkanal

ADSL 138 kHz – 1,1 MHz

Down bis zu 8 Mbit/s

Up 1 Mbit/s

ADSL2+ 28k Hz – 2,2 MHz

Down bis zu 25 Mbit/s

Up 3,5 Mbit/s

VDSL 138 kHz – 12 MHz

Down bis zu 50 Mbit/s

Up 10 Mbit/s

VDSL2 – 30 MHz

Down bis zu 200 Mbit/s

Up 200 Mbit/s mit VDSL

 

  Typ Bandbreite Datenübertragungsrate

DOCSIS

Data

over

Cable

DOCSIS 1.0 0,2 MHz bis 3,2 MHz  
DOCSIS 2.0 88 MHz  bis 860 MHz Down bis 50 Mbit/s
DOCSIS 3.0 100 MHz bis 1.0002 MHz Down bis 200 Mbit/s
DOCSIS 3.1 100 MHz bis 1.0002 MHz Down x mal 55 Mbit/s

Damit Sie Ihren individuellen Bandbreitenbedarf abschätzen können, müssen Sie folgende Fragen beantworten:

  • Wie viele Bewohner nutzen breitbandige Inhalte?
  • Welche Dienste (Streaming, Internet, TV Programme, …) werden genutzt?
  • Reduzieren datenintensive Dienste (z.B. HD Programme) meine zur Verfügung gestellte Bandbreite (z.B. Apple TV über das Internet)?

Der Check zur Multimedia-Versorgung auf dieser Seite bewertet Ihre Gewohnheiten nach diesen Kriterien.

Fazit

Internetanbieter übertreffen sich in Ihrer Werbung regelmäßig mit neuen Superlativen. Wichtig ist zunächst zu verstehen, welchen Bedarf man als Haushalt aktuell hat und wie sich dieser entwickeln wird. Hat man den Zusammenhang von möglicher Bandbreite und der zur Verfügung gestellten Geschwindigkeit verstanden, lassen sich für manche Übertragungsarten technische Grenzen erkennen. Auch dies sollte bei langfristigen Überlegungen eine Rolle spielen.