Smart Home

Intelligentes Wohnen: Echter Mehrwert oder nur eine Spielerei?

Ein neuer Trend zeichnet sich ab: Ein Zuhause soll heutzutage nicht nur gemütlich sondern auch intelligent sein. Im sogenannten „Smart Home“ steht darum die Erhöhung von Wohn- und Lebensqualität, aber auch eine effiziente Energienutzung und das Thema Sicherheit im Mittelpunkt. Aber ist es wirklich clever wenn man auf ein smartes "Home" setzt oder handelt es sich um eine technische Spielerei, die mein Leben möglicherweise sogar noch komplizierter macht?

Spätestens seit 2014 ist eine Aussage auf der CeBIT und der Ifa absolut präsent: Die Zukunft des Wohnens ist intelligent! Die Branche Smart Home tritt selbstbewusst aus seiner Nischenposition, um sich langfristig im Mainstream zu etablieren. In der Tat ist ein vernetztes Zuhause längst keine Science Fiction Vision mehr. Auch für Neulinge lassen sich schon heute Smart Home Konzepte umsetzen.

Was ist Smart Home?

Ihr Zuhause perfekt vernetzt und auf Ihre Wünsche abgestimmt, das ist die Idee von Smart Home. Endgeräte wie die Waschmachine oder die Heizung kommunizieren miteinander und lassen sich einfach per App mit dem Smart Phone steuern. Stellen Sie sich also folgende Szene vor: Sie betreten nach einem langen Arbeitstag Ihr Haus und das Licht schaltet sich ein, denn Ihr Zuhause weiß zu dieser Jahreszeit ist es jetzt schon dunkel. Die Heizung sorgt bereits für eine behagliche Wärme. Aus der Stereoanlage erklingt ein Feierabendlied und die Wäsche ist in 10 Minuten fertig. Das und noch viel mehr kann Ihnen Smart Home bieten.

  • Komfort

Durch ein Smart Home System wird das Leben in ihrem Zuhause entspannter. Ziel ist es Ihren Alltag komfortabler und einfacher zu gestalten, indem man Pflichtübungen automatisiert. Wäsche waschen, Lüften oder auch die Gartenpflege können dann per Knopfdruck gesteuert werden. Beispielsweise sorgt eine individuelle Beleuchtung für Gemütlichkeit oder die Bewässerungsanlage aktiviert sich abends, wenn heiße Temperaturen vorausgesagt werden. Die Intensität des Automatisierungsgrads ist hierbei jedem selbst überlassen. Ein weiteres Szenario ist die intelligente Kommunikation zwischen Heizung und Fenstern. Ohne fremdes Eingreifen schließen sich die Fenster wenn geheizt wird. Wem das noch nicht intelligent genug ist, kann Szenarien zum regelmäßigen Lüften programmieren. Dadurch kann jeder seinen eigenen Grad der Automatisierung bestimmen.

  • Energie

Betriebs- und Heizkostenabrechnung niedrig halten, das ist nicht nur im Sinne der Energiewende, sondern auch gut für unseren Geldbeutel. In deutschen Haushalten machen Heizkosten 2015 bis zu 65 Prozent des Energieverbrauchs aus, daher ist es besonders wichtig diese optimal zu regulieren. Hier bietet Smart Home einige Möglichkeiten über intelligente Thermostate oder Heizungssysteme Heizkosten zu sparen. Smart Home Anbieter versprechen durch die Aufrüstung von intelligenten Thermostaten bis zu 30% Einsparpotential. Diese können problemlos an jedem Heizköper montiert werden, auch ohne Zugriff auf die zentrale Heizung. Aber nicht nur die Heizung lässt sich steuern, sondern auch das Licht und andere elektronische Geräte.

Typische Stromfresser wie Stand-By Geräte kann man dann mit einem Knopfdruck ausschalten. Bei einer intelligenten Vernetzung kann das System den gesamten Energieverbrauch des Haushalts protokollieren, um ihn dann zu optimieren. Das Stichwort hier ist Smart Metering. Der Wäschetrockner oder die Spülmaschine können dann kosten- und energiesparend während des Niedrigenergietarifs betrieben werden. Im Prinzip lässt sich nahezu jedes Gerät mit einem Stecker ins intelligente Netz integrieren.

  • Sicherheit

Eine Smart Home Lösung verspricht neben Komfort und energiesparenden Wohnen auch eine moderne Sicherheitstechnik. Dazu gehören

  • Schutz vor Feuer oder Wasserschaden
  • Einbruchschutz
  • Objektüberwachung

Rauchentwicklung in Ihrer Wohnung und niemand ist zuhause? Über vernetzte Rauchmelder werden Sie im Ernstfall über Ihr Smart Phone informiert und falls gewünscht sogar Rettungskräfte informiert. Sie können den Katastrophenfall aber auch vorbeugen: kontrollieren Sie per App ob der Herd ausgeschaltet ist. Auch einem Einbruch kann mittels Smart Home entgegengesteuert werden. Während Ihrer Abwesenheit können Rollladenbewegungen und Lichtveränderungen im Haus einfach simuliert werden, wodurch für Außenstehende der Eindruck besteht, man ist Zuhause. Ungebetener Besuch wird mit Hilfe von Bewegungsmelder und einer Kamera aufgezeichnet. Auch das können Sie über Ihr Smart Phone überwachen. Intelligentes Wohnen bietet demnach Sicherheit in verschiedenen Lebenslagen. Auch hier lässt sich der Grad der Automatisierung bestimmen. Ob ihr Haus Sie daran erinnert wenn Sie die Haustür nicht abgeschlossen haben oder gleich der Notdienst gerufen wird, wenn Ihr Sicherheitssystem anschlägt, ist Ihnen überlassen.

Wie funktioniert Smart Home?

Leider haben sich auf dem Smart Home Markt parallel unterschiedliche „Standards“ entwickelt. Wer sein Haus mit einer gesamtheitlichen Smart Home Lösung ausstatten will, muss vorab prüfen, inwieweit Komponenten kompatibel sind. Denn obwohl es sich um „sogenannte Standards“ handelt, ist eine reibungslose Kommunikation zwischen den Geräten nicht sichergestellt. Deshalb kann man sich mittlerweile neben dem Profi Systemen, auch für eine Einsteigervariante entscheiden.

Die professionelle Heimvernetzung

Grundsätzlich besteht ein professionelles Home Automation System aus diesen Komponenten:

  • Sensoren: Temperaturfühler, Rauchmelder, Bewegungsmelder, Windmesser erfassen Wetterdaten oder die Raumluftqualität
  • Aktoren: darüber werden Heizungen, Markisen, Fenster, Heizkessel, Rollladen, Türen, Fernseher, oder das Licht gesteuert
  • Bedienelemente: Fernbedienung, Touch-Displays, Smart Phone oder einfache Schalter
  • Systemgeräte (z.B. Datenschnittstellen)

Bei der professionellen Smart Home Ausstattung ist die Basis ein Bus-System, also ein System zur Datenübertragung. Technisch bedeutet das, eine zweiadrige 24-Volt-Steuer-Leitung muss vom Elektrotechniker verlegt werden. Diese Leitung verläuft dann parallel zu den Stromkabeln und alle Informationen werden auf dieser Ader übertragen. Durch das Stromnetz schlecht erreichbare Komponenten, wie die Heizung oder Fenster, werden durch Funk- oder Infrarotwellen angesteuert.

Knifflig wird es bei der gemeinsamen „Sprache“ der Komponenten, die über ein Protokoll kommunizieren. Hier muss man sich vorab exakt informieren welche "Standards" miteinander kommunizieren können. Alternativ gibt es mittlerweile Systeme, die ohne diese Technik auskommen und über Funk und WLAN kommunizieren.

Smart Home Lösungen für Einsteiger

Aufgrund der Problematik verschiedener Standards hat der Markt reagiert und zugänglichere Lösungen entwickelt. Die Systeme bauen auf die Kommunikation aus Funk und WLAN, wodurch man nur noch einen Internetanschluss mit Router benötigt. Die Preise liegen zwischen 50 und 300 Euro und bieten einen guten Einstieg in die Welt des intelligenten Wohnens. Wobei eine solide Breitband-Verbindung unabdingbar ist, damit die Geräte stabil über Funk und WLAN mit einander kommunizieren können.

Noch einfacher wird es, wenn in Zukunft Endgeräte Smart Home Technik integriert anbieten. Denn auch die Hardware-Hersteller reagieren auf diesen Trend und entwickeln Endgeräte mit Smart Home Software die über LAN/ WLAN vernetzbar sind. Anbieter wie Panasonic, Samsung oder LG entwickeln diese und haben auch schon Produkte auf den Markt gebracht.

Grundsätzlich stehen natürlich die individuellen Bedürfnisse im Vordergrund, die man an das System stellt. Denkbar wäre es in einem ersten Schritt, auf eine offene Grundausstattung zu bauen, um Smart Home für sich und die eigenen Wünsche zu testen. Außerdem ist es ratsam die Entwicklung des Marktes zu beobachten. Mit einer offenen Lösung die auf Funk und WLAN basiert kann man den Smart Home Markt für sich entdecken und langfristig für die eigenen Bedürfnisse ausbauen.